Bella Puglia

 

Photo 18.10.14 08 04 27
Fenchelfeld

Wenn man der Bibel Glauben schenken möchte, so verbannte Gott Adam und Eva aus dem Paradies – also auf die Erde, wo wir heute leben. Ich denke an diese Geschichte, während ich durch die Gemüsefelder in Apulien, genauer gesagt nahe Torre Canne zwischen Brindisi und Bari spaziere. Photo 18.10.14 07 48 14Rund um unseren Landgasthof, Masseria genannt, erstrecken sich biologisch gepflegte Felder mit Fenchel, Blumenkohl, Broccoli, Stangensellerie, Cime di Rapa, Tomaten, Gurken….  Ich stibitze eine kleine Tomate. Das sonnenverwöhnte Gemüse schmeckt natürlich süsser und aromatischer als jenes in der Heimat.Photo 18.10.14 07 51 57

 

Die kleinen Felder sind sorgfältig durch hüfthohe Steinmauern abgetrennt. Was auffällt, sind die vielen verrunzelten, alten Olivenbäume inmitten der Gemüsepracht. Am Wegrand entdecke ich Rosmarinsträucher, mal einen Lorbeerbaum oder gar einen kleinen Feigenbaum, der eigenwillig aus der Steinmauer hervorwächst. Ich seufze ehrfürchtig. Es ist Mitte Oktober, die Sonne steht nicht mehr so hoch, es ist angenehm warm (zwischen 22 und 27 Grad). Das nahe gelegene Meer lädt mit seinen kleinen Buchten zum Baden ein. Die Sandstrände sind zu kurz, um die typischen Adria-Luftmatratzen-Touristen anzulocken. Photo 19.10.14 14 46 23

 

Es ist so schön. Ich frage mich, ob man Adams und Evas Rauswurf aus dem Paradies wirklich als Verlust bezeichnen darf?

 

Während Zuhause die ersten Weihnachtsprospekte ins Haus flattern, machen der Herr und ich Ferien im Süden. Man kann online zwischen vielen alten Landgasthöfen in Apulien wählen, teils 200 bis 300 Jahre alt. In der Nebensaison erhält man für 80 bis 100 Euro ein Zimmer in diesen romantischen Unterkünften. Photo 17.10.14 16 55 33Wir haben uns für die Masseria Torremossa entschieden. Nino und seine Frau Carla haben ihr Wochenendhaus diesen Frühling in ein B&B umgewandelt. Nino gehört zu Slow Food. Er pflanzt Bio-Tomaten der Sorte Regina an, konserviert sie in Salzwasser und verkauft sie so auf regionalen Märkten.

 

Photo 17.10.14 16 35 35

Im richtigen Leben ist er allerdings Architekt in Bari. Carla ist Chemielaborantin. Sie verbringen jedes Wochenende auf dem Familiensitz aus dem  18. Jahrhundert. Ihre drei Hunde Stella, der Schäfer Bart und kläffende Zwergspitz King begleiten sie. Das weissgetünchte Anwesen mit seinem Hof wirkt innen wie aussen sehr gepflegt. Ich staune über die Zitronen- und Granatapfelbäume. Auch das Blumenmeer macht diesen Ort so reizvoll. Photo 18.10.14 07 30 17

 

Photo 19.10.14 10 06 45Man merkt, dass das Paar Wert auf Kleinigkeiten legt. So findet man im Haus überall schöne Keramikgefässe aus lokaler Produktion (aus Grottaglie). Das Haus ist hochwertig renoviert. Die Sanitäranlagen und Matratzen sind von sehr guter Qualität.
Wir frühstücken auf der Veranda in der Sonne. Für italienische Verhältnisse geniessen wir ein sehr gehaltvolles Frühstück. Clara will, dass es uns an nichts fehlt. Ich stürze mich gleich auf den Salami, Coppa und Prosciutto crudo. Clara füttert Kater Foffi mit einem
Salami-Rädli.
Photo 17.10.14 16 41 46
Nach den Cappuccini gönnen sich mein Mitbewohner und ich noch einen Caffè, also einen Espresso. Dabei versuche ich mich mit Carla mit Händen und Füssen zu verständigen. Ich spreche kaum Italienisch, aber Clara kann etwas Französisch. Sie kocht gerne und gut. Ich brauche das Rezept von der Torta degli angeli, einen luftig-leichten italienischen Schokoladenkuchen. Photo 17.10.14 16 36 47

 

 

 

 

In Claras historisch anmutender Küche hängen neben getrocknetem Chili und Knoblauch, an Schnüren aufgebunden, kleine (fast frische) Tomaten. In Apulien ist die Luft so trocken, dass die Tomaten nicht faulen. Photo 18.10.14 09 27 17Bis circa März lassen sie sich auf diese Weise halten und werden als Bruschetta oder auf der Focaccia verspeist.  Als Beweis backt uns Clara frische Focacce, wunderbar knusprig und innen luftig weich. Dazu trinken wir einen fruchtigen Rosé. Mein Mitbewohner lehnt sich entspannt zurück und seufzt glückselig.

 

 

Ach ja, das ist Italien. Mangiare, mangiare…

Der Herr und ich haben ein Auto gemietet, und ich kurve durch die malerische Landschaft mit unzählbar vielen Olivenbäumen. Die Landschaft ist abwechslungsreicher und auch grüner, als ich mir Süditalien vorgestellt habe.

IMG_20141018_114205

 

 

Ostuni
Ostuni

Die Strassen sind gut. Ein pittroskes Städtchen jagt das nächste, wie etwa Locontondro, Monopoli und Ostuni.

Auf den Dorfplätzen stehen in kleinen Grüppchen die alten Herren versammelt und gaffen den elegant gekleideten Frauen nach.2014-10-18 14.16.04

 

Photo 17.10.14 14 06 21
Gnocchi con vongole

Mittags wirken die Strassen wie ausgestorben; es wird gegessen (und gegessen und gegessen). Erst um 17 Uhr treibt es die Leute wieder auf die Strassen und die Geschäfte öffnen nach der ausgeprägten Mittagspause. Uns zieht es oft in die Restaurants mit frischem Fisch und Meeresfrüchten (z.B. in Monopoli in der Osteria perricci – die beste Adresse für frischen Fisch ist allerdings Gallipolli).

Die Portionen sind immer zu gross und der Wein süffig. Der Kellner fragt: rosso o bianco? Rosso – un quarto, per favore. Er rollt die Augen. Wir müssen noch Autofahren. Wir bekommen einen halben Liter Primitivo für 4 Euro. Man trinkt in Apulien eher Rosé als Weisswein, da letzterer tendenziell teuer ist. Rotwein ist dagegen spottbillig. Für mich eher ungewöhnlich, aber er wird oft sehr kühl serviert.  So passt er dann auch zum Fang aus dem Meer.

Überfressen geht es danach meist in die nächste Bar. Der obligate Espresso muss her.Photo 17.10.14 09 29 53

Ein altbekanntes, ungelöstes Rätsel: warum ist der Kaffee in Italien selbst in der schäbigsten Autobahnraststätte so unverschämt gut?

Ich trinke mich durch die unterschiedlichen Kaffeevariationen. Für mich neu: espressino fredo: Ein Espresso mit ein bisschen Fior di Latte, entweder pur oder mit etwas Schokoladensirup. Caffè leccese: Espresso mit Eis und Mandelsirup. Sehr stimmig.

Photo 19.10.14 11 49 07
Caffè leccese

 

 

Wir machen einen kleinen Spaziergang (z.B. am Hafen von Monopoli), denn bald ist es Zeit für den Aperitivo auf irgendeiner Piazza. Auch so eine Kultur, die ich Zuhause vermisse. In Italien bekommt man abends zum Aperitivo immer eine Kleinigkeit zum Knabbern. Nicht, dass ich noch in irgendeiner Form hungrig gewesen wäre. Im Geheimen beschliesse ich nach meinen Ferien a) mehr Sport zu treiben und b) weniger zu essen. Ein kurzen Moment glaube ich sogar daran, dies je durchzuhalten. :)

Hafen in Monopoli
Hafen von Monopoli

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.