Tagliatelle al sangue e al anice

Im letzten Frühjahr habe ich einige Male mit Schweineblut gekocht. Ich habe in Ostdeutschland Rotwurst gefertigt, daheim erprobte ich Rezepte für Schweizer Rahmblutwurst und Spanische Morcilla. Ermutigt von meiner grossen Liebe zu Blutwurst, habe ich dann auch etwas unkonventionellere Rezepte ausprobiert wie etwa die süssen Cupcakes mit Blut anstelle von Hühnereiern. Um nicht all die ungewöhnlichen Speisen selber essen zu müssen, veranstaltete ich auch eine Blutkuchenparty. Meine Freunde waren geteilter Meinung. Manche fandens gut, andere weniger.

Zunehmend kostete es mich auch mehr Überwindung mit rohem Schweineblut zu hantieren. Ganz frisch ist es kein Problem. Aber abgestandenes oder aufgetautes Blut besticht schnell durch einen sehr typischen Geruch. Es ist dem menschlichen Blut so ähnlich und als Frau… Ach. Der Geruch verschwindet zwar, sobald man damit kocht (oder es trocknet), doch war mein Hunger nach Experimenten mit Blut für einige Zeit gestillt.

Im Laufe des Jahres habe ich jedoch weiter mit Begeisterung Blutwürste gegessen. Ich durfte eine kleine Auswahl von spanischen Trocken-Blutwürsten probieren. Eine davon war eine Art Blutsalami vom Iberico-Schwein, die ich an Weihnachten in der altehrwürdigen Bodega im Zürcher Niederdorf erstand (im Lädeli danach fragen!). Absolut göttlich. Und natürlich liess ich es mir im Herbst nicht nehmen, wieder selber Rahmblutwürste zu fertigen (zusammen mit dem Verein zur Förderung des Ansehens von Blut- und Leberwürsten).

Nun habe ich süsses Gebäck, Saucen, Würste aber auch Crèmes mit Blut probiert. Die Spannweite reichte je nach Rezept und Koch von himmlischem Genuss bis „essbar“. Blut ist halt einfach extrem heikel im Umgang. Wenn man es zum Beispiel im Backofen über 170 Grad erhitzt, kann es schnell „verbrennen“.

Hinzu kommt, dass die Geschmäcker sehr verschieden sind. Ich mag Blut eher mit salzigen Komponenten. Aber das ist meine persönliche Präferenz. Es gibt einige traditionelle Rezepte aus dem Tessin oder Italien, wo Blut in Süssspeisen gerührt wird (siehe hier).

 

Meine Bloggerfreundin Signora Pinella machte in ihren Ferien im Südtirol in einem Supermarkt eine weitere spezielle Entdeckung: Traditionelle Schwoasnudeln. Schwoas sprich Schweiss bedeutet im Jägerlatein nichts anderes als Blut, welches in den Teig eingearbeitet wird. Das Rezept ist sehr einfach: man reduziert die Anzahl Eier und ersetzt sie durch Schweineblut. Danach ist die Zubereitung wie bei jeder frischer Pasta.

Weil ich noch zwei PET-Fläschli Schweineblut im Tiefkühler lagerte, hab ich mir ein Herz gefasst und Blut in den Pastateig geknetet. Wie Blutwürste gart man die frische Pasta in heissem (nicht sprudeldem) Wasser. Das ist super.

Das Resultat hat mich positiv überrascht. Ich würde ohne zu Zögern auch meinen Gästen die Tagliatelle al sangue auftischen. Der Geschmack ist ein anderer als bei klassischen Eiernudeln, aber besonders mit dem frisch zerstossenen Anis, welches typisch für das Südtirol ist, schmeckt es phantastisch.

 

Tagliatelle al sangue e al anice

Zutaten für 4 Personen:

300g Knöpflimehl
ca. 100g Schweineblut
1 grosses Ei
¼-½ TL Anis (Kreuzkümmel passt auch)

Wie normale Pasta kneten und 30 Minuten ruhen lassen. Danach hauchdünn auswallen und Nudeln schneiden (ich habe sie 1cm breit geschnitten, empfehle der Optik wegen, aber sie dünner zu schneiden). Im Salzwasser 3 Minuten kochen. Mit etwas brauner Butter und Sbrinz servieren.

Frisches Blut bekommt ihr für einen kleinen Unkostenbetrag (oder gratis) bei einem guten Metzger.

Nachtrag: man sagt, Blut halte sich so circa 3 Tage im Kühlschrank. Bei mir auch länger und ich hatte, trotz sensiblem Magen, noch nie Probleme. Ich bekomme es oft gefroren vom Schlachthof und taue es manchmal sogar zwei Mal auf.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der fügt 5 Gramm Salz pro Kilo Blut hinzu.

rohe Blutnudeln – gekocht färben sie sich braun

Für mehr Blutrezepte auch bei Sobre Mesa nachschlagen.

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