Unser täglich Brot

Warum sollte man die mühsame Arbeit des Brotbackens auf sich nehmen? Tja. Meine Schwiegermutter fährt jeden zweiten oder dritten Tag quer durch ganz Zürich zu John Baker, dem Bäcker unseres Vertrauens. Dann nimmt sie uns auch einen Laib mit. Denn ein Industrie-Brot möchte der Mitbewohner nicht mehr essen. Durch ein Missverständnis getrieben, hat mir mal eine Angestellte im Supermarkt alle Inhaltsstoffe der heute üblichen Backmischungen vorgelesen. Ich sag ja: Industrie-Brot. Das ist nach einem Tag steinhart und ungeniessbar. Vielleicht mit ein Grund, weshalb heute so viel Brot und im Gebäck im Abfall endet.

Echtes, gutes Brot hält lange frisch. Man geniesst es bis zum letzten Bissen. Wir essen es praktisch immer auf. Und so ist das Brot aus der Hipsterbäckerei plötzlich gar nicht mehr teurer, sondern manchmal sogar billiger.

Wenn doch mal was übrig bleibt, dann mache ich Paniermehl damit. Weitere Ideen findet ihr auch auf dem Blog stadt-land-gnuss.ch

Ich habe euch lange erzählt, dass ich nicht backen könne. Da lag ich falsch. Der Schlüssel zu einem guten Brot besteht aus zwei Faktoren:

  • wenig Hefe kombiniert mit viel Zeit
  • und einem Gusseisentopf, der den Steinofen simuliert.

Dieses Rezept ist eine Adaption vom No-Knead-Brot, gesehen in Anna Pearson’s Kochbuch zu Tisch. Mein Vater findet es zwar grossartig und hat mich dennoch getadelt: es sei eine Energieverschwendung, selber Brot zu backen. Da gebe ich ihm natürlich recht. Aber ab und zu etwas so Schönes, selber herzustellen, macht glücklich. Ich bin so stolz auf das luftige Innenleben und unbeschreibliche Kruste. Durch den geringen Hefeanteil bleibt es auch viel länger frisch. Es schmeckt um Welten besser, als jedes Brot aus dem Grossverteiler.

Selber Brot zu Backen, ist eine sinnliche Aufgabe und es fördert die Wertschätzung gegenüber einem Lebensmittel, das noch nicht vor langer Zeit ein Grundnahrungsmittel gewesen ist. Brot hatte immer eine sehr grosse symbolische Bedeutung. So würde die Oma vom Mitbewohner niemals ein Stück Brot in den Abfall werfen. Sie hat noch Zeiten erlebt, wo auch in der Schweiz Nahrung knapp war.

Heute wird über ein Drittel des in der Schweiz produzierten Brots, sei es im Supermarkt (frisches Brot bis Ladenschluss), im Brotkörbli im Restaurant oder Zuhause weggeworfen oder an Schweine verfüttert. Das ist unglaublich traurig.

Deshalb fordere ich euch auf: backt so ein Brot und geniesst es als Butterbrot: einfach, aber so gut!

 

Weissbrot

Zutaten für 750 Gramm

430g Weissmehl
½ TL Trockenhefe oder 6g frische Hefe
1 Prise Zucker
1 ½ TL Salz
3dl lauwarmes Wasser

Zubereitung:

  1. Die Zutaten in eine Schüssel geben. Ich lasse es immer 10 Minuten stehen und gebe etwas Zucker auf die Hefe.
  2. Alles mit dem Knethaken der Küchenmaschine mischen, bis ein glatter Teig entsteht.
  3. Mit einem Küchentuch abdecken und bei Zimmertemperatur circa 10-12 Stunden gehen lassen.
  4. Das Brot mit einem Gummischaber aus dem Topf nehmen, auf ein mit Mehl beschichtetes Backpapier legen und formen. Zudecken und nochmals 2 Stunden gehen lassen.
  5. Einen Gusseisentopf mit Deckel (Bräter geht auch) im Ofen bei 240 Grad aufheizen.
  6. Das Brot mitsamt Backpapier in den Topf geben und zugedeckt 27 Minuten backen.
  7. Weitere 30 Minuten ohne Deckel backen.

Ruchbrot

Zutaten:

200g Weissmehl
330g Ruchmehl
½ TL Trockenhefe oder 6g frische Hefe
1 Prise Zucker
1 ½ TL Salz
3dl lauwarmes Wasser

Zubereitung siehe oben.

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