Süsse Cupcakes mit Schweineblut

Blut hat als Lebensmittel in Europa eine sehr lange Tradition. Es wurde erst in den letzten Jahrzehnten völlig von unserem Speiseplan verdrängt. Nun haben findige Köpfe wie etwa die Köche vom Restaurant Noma in Kopenhagen wieder angefangen, mit Blut als Zutat zu experimentieren. Es ist dank seinem Eisengehalt nicht nur sehr gesund, es hat auch sehr spannende Eigenschaften. Schlägt man Blut mit dem Handmixer, wird es fest wie Eischnee. Gemäss Elisabeth Paul vom Nordic Food Lab kann Blut Eier ersetzen. So entsprechen 65 Gramm Blut ewa einem Hühnerei. Ein ganzes Schwein mit 2.5 bis 4.5 Kilo Blut enspricht also 36 bis 72 Eiern. Blut anstelle von Eiern – da soll mir noch einer sagen, es gebe die eierlegende Wollmilchsau nicht… Zurzeit ist Blut noch ein Abfallprodukt der Fleischindustrie.

Schuld an meinem Rezept ist auch die Zürcherin Laura Schälchli von Sobre Mesa. Im Januar hat sie zusammen mit dem Spitzenkoch Simon Schneeberger ein mehrgängiges Menü zum Thema Blut realisierte (siehe hier). Der Abschluss dieses ungewöhlichen Essens machte ein Schokoladen-Ganache-Kuchen mit Schweineblut und Randen.

Zur Tat: ich habe es für euch ausprobiert und Schokoladen-Cupcakes gebacken. Um den metallisch schmeckenden Unterton zu kaschieren, habe ich Cayennepfeffer und Kardamom verwendet. Das hilft. Der Geschmack von Blut verschwindet beim Backen und kommt beim fertigen Küchlein nur noch im Abgang leicht zur Geltung. Einige meiner Testesser haben es nicht einmal bemerkt.

Ursprünglich wollte ich mit dieser Aktion vor allem die kulinarischen Möglichkeiten des Rohstoffs Blut testen. Daraus ist viel mehr geworden. Ich stand in meiner Küche mit einem Eimer Blut. Alles in mir schrie: Mörderin. Blut ist die Königsdisziplin der Nose to tail-Küche. Hunderttausende Schweine werden stundenlang, gar tagelang transportiert und anschliessend vergast. Der Preis für Schweinefleisch ist im Keller. In Deutschland bekommt der Bauer noch Euro 1.20 für ein Kilo Muskelfleisch. Und selbst in der so betont teuren Schweiz sieht es nicht viel besser aus. Das Blut habe ich sowieso kostenlos bekommen. Das ist Abfall. Wenn man noch bedenkt, dass der Konsument selbst ein Drittel des Muskelfleisch zuhause in den Abfall wirft… Was sagt das über uns als Gesellschaft aus?

Ich habe mit vielen Schlachtabfällen experimentiert, doch es ist das Blut der Tiere, das meine persönliche Schmerzgrenze definiert. Rohes Schweineblut schmeckt und riecht wie das des Menschen. Blut ist das symbolträchtigste Produkt, das es gibt. Ich habe mich vor zwei Wochen gefragt, weshalb wir/unsere Gesellschaft  uns so vor Blut fürchten. Ich wollte den schwarzen Peter der Religion zuschieben. Aber es ruft auch in mir ein tiefverwurzeltes Gefühl von Schmerz und Endlichkeit eines Geschöpfs hervor.

Deshalb bin ich sehr stolz auf meine Küchlein. Sind sind weitaus mehr als ein Rezept. Diese Cupcakes sind ein Statement. Es ist Tod und Verschwendung der Tiere verpackt in der kleinen, unschuldigen Hülle eines Cupcakes. Ich hoffe, es regt zum Nachdenken an.

Bloody Cupcakes 

Rezept von: Nicole Hasler

Zubereitungsdauer: ca. 30 Minuten

Zutaten für 4 Personen:

85 g Schweineblut
60 g Rohrzucker
1 Prise Salz
50 g Crémant Schokolade
50 g Butter
50 g Mehl
1 TL ungesüsstes, Kakaopulver
1 Msp. Kardamompulver oder 1/2 TL Garam Masala
1 Msp. Cayennepfeffer

1dl Vollrahm

Zubereitung:

1. Das Blut mit dem Handmixer auf tiefer Stufe rühren und dabei langsam den Zucker dazurieseln (wunderschön die Farbe, nicht?). Wenn sich der Zucker aufgelöst hat, auf eine höhere Stufe schalten und so lange mixen, bis die Masse steif wie Eischnee wird.

2. Schoggi zerbröckeln und zusammen mit dem Butter über einem Wasserbad schmelzen. Glattrühren und zur Blutmasse geben.

3. Die Mehlmischung zusammen mit den Gewürzen und dem Kakaopulver vorsichtig unter die Mischung heben.

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4. In Cupcakeförmchen oder Espressotassen geben und bei 175 Grad circa 13 Minuten backen.

Achtung: Blut ist Hitzempfindlicher als Eier!

5. Vollrahm steifschlagen. Mit einem Spritzbeutel auf dem Küchlein verteilen und mit Zitronenmelissen-Blättchen garnieren.

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