Schmalz für die Seele: Ofenküchlein mit Schweizer Ricotta

Zigerchrosi, auch Zegerchrosi oder Zegerchleeb, ist ein grober Brotaufstrich aus Ziger, gemischt mit getrockneten Birnen. Rein optisch macht es nicht viel her, aber es schmeckt wunderbar und einzigartig.

Zigerchrosi wird seit Generationen in der Region um Willsau im Kanton Luzern am Fronleichnahm morgens zusammen mit Butter aufs Brot gestrichen. Sehr gut schmeckt es auch mit ein bisschen Löwenzahnhonig. Die Tradition ist bis nach Olten, Zofingen oder Sursee verbreitet, wobei viele Familien den Brotaufstrich auch heute noch nach eigenem Rezept herstellen. Während der Feiertage kann man es auch in einigen lokalen Konditoreien finden. Ich bin deshalb Werner Stirnimann vom Slow Food Oberaargau zu Dank verpflichtet, der mir die Spezialität für diesen Blogeintrag zu Verfügung gestellt hat.

Zigerchrosi erzählt für mich etwas über die Geschichte der Schweiz. Wir waren ein Volk vorwiegend von armen Bauern, das sich von dem ernährt hat, was der Boden hergab. In der Zentralschweiz wurde aufgrund der klimatischen Bedingungen nie viel Ackerbau betrieben. Die Region konzentrierte sich auf die Viehzucht und auf ihre Obstbäume. Somit sind im Chrosi mit Ziger, der als Nebenprodukt beim Käsen von Sbrinz angefallen ist, und mit den Trockenfrüchten zwei sehr ursprüngliche Schweizer Spezialitäten vertreten (Quelle: Slow Food).

Persönlich mag ich Zigerchrosi am allerliebsten auf einem Stück Zopf. Es erinnert mit seinen Gewürzen ein bisschen an Birrenweggen. Ich wusste aber nicht, ob das genug Sexappeal für einen Blogeintrag hat. Also habe ich bei Signora Pinella diese hübschen Ofenküchlein abgekuckt. Es ist das Rezept ihrer Mama. Ich hoffe, der Mama Pinella ist es recht, dass ich eine kleine Änderung vornehme. Ich habe ihre Küchlein mit Schmalz anstelle von Butter gebacken. Funktioniert wunderbar. Es ist auch meine Form des Protests gegen die weitverbreitete Verachtung gegenüber tierischem Fett. Also gehe ich gleich aufs Ganze und nehme Schweinefett. Meine Mama hat uns Kinder immer dazu ermuntert, mit echtem Fett oder richtiger Butter zu kochen. Da steckt der Geschmack drin. Sie glaubte auch, dass all diese Diätprodukte am Ende dem Körper mehr Schaden anrichten als ehrliches Fett. In diesem Rezept würde ich  allerdings unbedingt welches vom Wollschwein nehmen, da dieses geschmacklich besser ins Süssgebäck passt.

Zigerchrosi

Zutaten für ca. 12 Stück:

2.5dl Wasser
2 Prisen Salz
1 EL Zucker
60g Butter, bzw. Wollschweinschmalz*
125g Mehl
4 Eier

1 Pack Zigerchrosi aus Hochstamm-Birnensorten
Puderzucker

*Schmalz vom Wollschwein ist bei den Fiechter Schwestern auf dem Zürcher Markt erhältlich.

Zubereitung:

1. Die Zutaten bis und mit Butter aufkochen, das gesiebte Mehl im Sturz beigeben und bei kleinster Hitze so lange rühren, bis sich ein Kloss bildet, der sich von der Pfanne löst.

2. Ein Ei nach dem anderen gut in den Teig einarbeiten (Mama Pinella schwört darauf, dass man den Teig mit dem Handrührgerät gründlich verrühren soll).

3. Die Masse auskühlen lassen. In einen Spritzbeutel geben. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech Golfball-grosse Küchlein spritzen und im vorgeheizten Backofen 20 Minuten bei 180 Grad auf mittlerer Stufe backen.

4. Die Ofenchüechli noch warm am oberen Drittel mit einem Messer seitlich aufschneiden. Nach dem Abkühlen mit Zigerchrosi füllen. Mit Puderzucker bestäuben.

Zigerchrosi_Teller

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