Winterliches Trüschensüppli

Gott muss laut gelacht haben, als ich vor einiger Zeit auf diesem Blog schrieb, Ekel oder Frucht vor Fisch seien mir fremd.

Als der Zürichseefischer Gerny mir drei kleine Trüschen fing, konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich hatte soviel darüber gelesen und vorgeschwärmt bekommen. Was ich leider nicht wusste: Trüschen sehen aus wie Schlangen. Was die Geschichte noch schlimmer macht: Man muss sie mit viel Kraft „häuten“. Jawohl, häuten. Und schleimig ist bei der Haut nur der Vorname. Ich fürchte mich seit Kindertagen vor Schlangen. Zum ersten Mal in meiner Bloggerkarriere sah ich mich effektiv gezwungen, externe Unterstützung zu besorgen. Ich bedanke mich an dieser Stelle artig bei meinem Bekannten Adrian, der den Viechern buchstäblich die Haut über die Ohren gezogen hat.

trüsche

Eben genau für solche Fälle hat Gott die Männer erfunden, die uns holde Damen vor dem Ungetüm, genannt Trüsche, retten. Dank Adrian sind die Fische dann doch noch im Kochtopf, genauer gesagt: im Suppentopf gelandet. Für die Verarbeitung wurde ich im Suppenkochbuch von Tine Giaccobi und Katharina Sinniger fündig. Darin beschreiben sie die Zürichsee-Trüschen-Felchen-Suppe. Da Trüschen traditionell im Winter gefischt werden, habe ich das Rezept an die Saison angepasst und um Schwarzwurzeln erweitert.

Was soll ich melden? Sagenhaft. Der Ruf der Trüsche kommt nicht von ungefähr. Das feste Fleisch ist eine echte Delikatesse. Lässt euch nicht von Äusserlichkeiten abschrecken.

Die Trüsche
Bei diesem Fisch handelt sich um den einzigen Vertreter der Dorschfamilie in unseren Gewässern. Es ist ein in der Tiefe lebender, nachtaktiver Raubfisch, den man nur in den Wintermonaten fängt. In Deutschland kennt man ihn unter dem Namen Aalquappe. Kurz vor der Laichzeit im Winter schwillt ihre Leber kräftig an. Sie kann bis zu einem Drittel des Körpergewichts ausmachen und wird seit der Antike als Delikatesse verehrt (siehe hier). Beim Verarbeiten in der Küche muss man unbedingt die sehr schleimige Haut entfernen.

Winterliches Trüschensüppli mit Schwarzwurzel

Rezept von: inspiriert von der Zürichsee-Trüschen-Suppe von T. Giaccobi und  K. Sinniger

Zubereitungszeit: ca. 30 Minuten

Zutaten für 2 Personen:

300g Trüschenfilets* (Ersatz: Dorsch)
1 EL Bratbutter
1 Zwiebel, fein gehackt
1/2 Lauch, feine Ringe
1 weichkochende Kartoffel, feine Würfel
1 EL Tomatenmark
1 dl trockener Weisswein
6dl Fischfond (Rezept siehe hier)
100-120g geräuchertes Felchenfilet
2 grosse Schwarzwurzeln, geschält
Zitronensaft nach Belieben

* Bitte lasst euch die Viecher vom Fischer häuten! Erhältlich nur auf Vorbestellung beim Fischer, z.B. bei Andreas Gerny in Wollishofen.

Zubereitung:

1. Schwarzwurzel schälen und sofort in Wasser mit Zitronensaft legen. In kleine 5mm breite Scheiben schneiden.

2. Zwiebel in Bratbutter andünsten. Das Gemüse, Tomatenmark und Kartoffeln beigeben.

3. Mit Weisswein und Fischfond ablöschen.

4. Einige Minuten köcheln lassen und danach die Felchenfilets 5 Minuten in der Suppe ziehen lassen. Alles mit dem Stabmixer pürieren.

5. Die Suppe abermals aufkochen und die in Stückchen geschnittene Trüsche hineingeben. 2-3 Minuten ziehen lassen.

6. Die Suppe mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

DSC_1649

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.